Guten Abend aus Berlin,
 

wo ich immer öfter meinen Augen nicht traue, wie weit die Wahrnehmung von manchen Politikern und die Realität auseinander gehen. Bürgermeister Müller (SPD) führte die Masken-Pflicht in Bussen und Bahnen ein. Gleichzeitig will er das Nicht-Tragen derselben aber nicht ahnden. Das begründete er damit, dass sich die Berliner diszipliniert an die Corona-Regeln halten würden. Ich erlebe fast täglich das Gegenteil, und habe das gerade auch in einer eigenen Geschichte beschrieben.
 
In anderen Städten ist es offenbar nicht viel anders: Gestern beschrieb der FOCUS, wie an der Isar Normalbetrieb herrscht und die Münchner in Scharen an den Fluss strömen. Vom Hamburger Elbstrand gibt es ähnliche Berichte. In Berlin gab es mehrfach größere Zusammenkünfte von Muslims, bei denen die Polizei nicht einschritt. Das erinnert fast ein wenig an Frankreich, wo in Problemvierteln in den Vorstädten mit hohem Migrantenanteil de facto die Corona-Beschränkungen nicht durchgesetzt werden. Ganz offensichtlich, weil die Regierung Angst hat vor Aufständen. 
In Berlin versuchte die Polizei am Montag bei der Beerdigung der Mutter eines Clan-Chefs mit einem Großaufgebot von 250 Mann die Corona-Regeln durchzusetzen. Der Erfolg war Berichten zufolge eher durchwachsen. In der Bild steht in zwei Sätzen, die direkt aufeinander folgen: Eine "Anzeige richte sich gegen einen Trauergast, der vor dem Friedhof im Stadtteil Schöneberg zwei Journalisten bespuckt hat. Und im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses sprach Polizeipräsidentin Barbara Slowik von einer ruhigen und verhaltenen Atmosphäre bei der Beisetzung." 

Faszinierend - das Bespucken von Journalisten hindert in Zeiten von Corona Politiker und die Polizeichefin nicht, zu so einem Urteil zu kommen. Für mich ist das ein Symbol für die Schizophrenie im Umgang mit dem Virus. Auf der einen Seite gibt es große Mehrheiten für den Lockdown in den Umfragen - und andererseits verhalten sich viele so, als habe es ihn nie gegeben. Motto - Lockdown ja, aber nur für die anderen?

Aber um auf solche Widersprüche aufmerksam zu machen, braucht man heute schon wieder Mut. Ein tiefer Graben durchzieht unser Land, bis hinein ins Private. "Im persönlichen Umfeld erschüttert die Schärfe der Auseinandersetzung: Es geht nicht mehr um unterschiedliche Meinungen, es geht um Glaube oder Häresie", schreibt Susanne Gaschke in der Welt: "Wer sich über die widersprüchlichen Botschaften des Robert-Koch-Instituts irritiert zeigt oder Fragen zu willkürlich erscheinenden Maßnahmen der Ordnungsmacht stellt, entlarvt sich als Ungläubiger. Höchstwahrscheinlich will er alte Leute umbringen, zugunsten von Wirtschaftswachstum oder Party-Hedonismus."
Ich bin kein Virologe, und ich kann wenig über das Virus sagen. Wenn man sich allerdings ansieht, wie oft sich in den vergangenen Wochen die Virologen geirrt haben, dann bekommt man Zweifel, ob es Sinn macht, an ihre Worte zu glauben, als seien sie aus Stein gemeißelt: Erst waren Schutzmasken aus Stoff in ihren Augen sinnlos, jetzt sind sie sinnvoll. Das Gleiche bei Schulschließungen, Grenzschließungen, Obduktion von Toten, etc.. Über den Ansteckungsweg gibt es bis heute keinen Konsens, ebenso bei den meisten anderen Fragen. Der Umgang mit dem Virus gleicht einem Blindflug.

Daraus kann man keinen Vorwurf an die Wissenschaftler und Politiker stricken. Solange sie nicht versuchen, uns den Eindruck zu vermitteln, sie hätten Gewissheiten. Eine  eingebildete Gewissheit herrscht aber leider auch bei vielen Regierten vor. Und wehe, man behelligt die mit Zweifeln! Schon für dezente Hinweise auf das schwedische Modell, wie ich sie mehrfach machte, muss man massive Aggression einstecken. Allein schon dafür, dass man Fragen stellt.
Dabei finde ich: Sich das Modell in dem skandinavischen Land anzusehen, ist nicht nur legitim - es ist zwingend. Die Regierung in Stockholm setzt auf Freiwilligkeit. Restaurants und Schulen sind weiter geöffnet. Die Corona-Sterblichkeit ist höher als in den Nachbarländern. Das wiegt schwer. Sie ist allerdings niedriger als etwa in Belgien, vergleichbar mit der Schweiz und nicht wesentlich höher als in Bayern.

Ich sage es ganz offen: Dass die Emotionen so hoch kochen, wenn man auf Schweden hinweist, hat wohl damit zu tun, dass viele nicht einmal die Möglichkeit in Erwägung ziehen möchten, dass Deutschland überzogen haben können mit seinen verspäteten, aber drastischen Maßnahmen. Dass sie vielleicht in dieser Schwere gar nicht zwingend waren. Und mit ihnen der verheerende Schaden für die Wirtschaft. Hier sind wir wieder beim Grundproblem der neudeutschen Politik: Dass Wunschvorstellungen schnell vor Realität gehen, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Grobe Fehler der Regierung? Das könnte die Menschen beunruhigen...lieber Ruhe und Harmonie! 
Ich finde es sehr erfreulich, dass dennoch immer mehr Stimmen laut werden, die einen kritischen Umgang mit der Corona-Politik unserer Regierung fordern. Auf der einen Seite wacht die FDP allmählich auf, auf der anderen Seite auch einige große Medien. Das macht Hoffnung. Vor allem in Zeiten, wo die Lobpreisung für die Regierung in vielen Fernsehsendern und Blättern ein Ausmaß erreicht hat, wie man es aus demokratischen Staaten normalerweise nicht kennt. 

Diese Hoffnung ist bitter nötig in Zeiten, in denen Ideologen ihr Süppchen mit der Krise kochen. Etwa die Redaktion von TTT in der ARD: Covid 19 sei nur ein Symptom. Für unsere Lebensweise. Für den neoliberalen Kapitalismus. Der die Welt gegen den Wand fahre: Diese Botschaft war in der gebührenfinanzierten Sendung zu hören. Im Windschatten der Corona-Krise erlebt ein ideologisches Virus eine neue Blüte: das des Sozialismus. Allerortens werden Träume eines Umbaus der Gesellschaft laut, von einer Vermögensabgabe und Enteignungen angefangen bis hin zur Legalisierung illegaler Einwanderer und dem Verbot von privater Krankenversicherung. Die Grünen-Abgeordnete Kordula Schulz-Asche erklärte gar im Bundestag, „Verschwörungstheorien und Rassismus fördern die Verbreitung von Viren“. Die Realität ist eher umgekehrt: Das Virus scheint die Verbreitung von Dummheit und Ideologie zu fördern.

Bleibt zu hoffen, dass im Gegenzug auch die Widerstandskräfte wachsen. Ich sehe an dem immer weiter wachsenden Interesse an meiner Seite und den vielen Zuschriften, wie viele Menschen auch und gerade in der Krise ihren kritischen Blick bewahren. Auch das macht Mut und Zuversicht in diesen finsteren Zeiten.

Und dank Ihrem Interesse und dem Zuspruch bin ich sogar privilegiert in diesen Tagen: Morgen wird mir Hans-Joachim Maaz ein Interview geben - Psychiater und Bestseller-Autor, dessen Werke ich alle regelrecht verschlungen habe. Ich bin sehr gespannt, wie er die psychologischen Aspekte der Krise einschätzt - insbesondere die teilweise ans Religiöse erinnernde Anbetung von Merkel, oft in Tateinheit mit Diffamierung kritischer Stimme. Das Interview wird in den nächsten Tagen auf meiner Seite stehen - und vieles anderes mehr. Ich freue mich, wenn Sie reinsehen!

Ich wünsche Ihnen alles Gute, vor allem Gesundheit, Gesundheit und nochmals Gesundheit 

Ihr
Boris Reitschuster